„Geh mutig deinen Weg, denn du gehst ihn nicht allein.“ – Teresa von Ávila

„Geh mutig deinen Weg, denn du gehst ihn nicht allein.“ – Teresa von Ávila

Hast du schon einmal die Erfahrung gemacht?

Du sitzt irgendwo und versuchst klare Gedanken zu fassen oder eine Lösung zu finden, doch du steckst irgendwie fest. Wenn du dann aufstehst und dich bewegst, vielleicht sogar draußen, kommt auch innerlich etwas in Bewegung. Es entstehen plötzlich neue Gedanken und Lösungsoptionen, die du vorher nicht gesehen hast, erscheinen hinter der nächsten Kurve.

Manchmal wünscht man sich jemanden an seiner Seite, der den Weg mit mir gemeinsam geht. Jemand, der erst einmal einfach zuhört, der mir dann Fragen stellt, an die ich selber nicht gedacht habe, jemand, der mich auf etwas hinweist, das ich noch nicht gesehen habe.

Und dann gibt es eben auch darüber hinaus, den menschlichen Kameraden oder Kompagnon. Den Gefährten. Den Begleiter. Als Coach bin ich ein Begleiter. Das englische Wort Coach bedeutet Kutsche. Im Neuen Testament gibt es eine Stelle, in der Philippus gebeten wird einen Mann mit Fragen an das Leben für eine Zeit zu begleiten. Er bittet ihn in seine Kutsche zu steigen. Während die beiden unterwegs sind, sprechen sie. Philippus stellt Fragen, gibt Input, ihr gemeinsamer Blick schweift über die Landschaft. Etwas kommt in Bewegung. Der Fremde entdeckt Antworten auf seine Fragen und steigt wieder aus der Kutsche aus.

Der menschliche Kamerad, der mit uns unterwegs ist, der zuhört, der Fragen stellt, uns einmal den Spiegel vorhält, uns auf Dinge aufmerksam macht, die wir gerade nicht sehen können, kann also unheimlich hilfreich sein.

In der Weiterbildung zum Interkulturellen Coach sprechen wir von stimulierenden Interventionen. Um das zu erklären, sage ich oft, es ist manchmal so, dass wir in unserem Trott unterwegs sind. Unser Blick ist dabei auf den Boden gerichtet und unsere Gedanken in Kreisen gefangen. Wir sehen nicht was außen um uns herum passiert und auch oft nicht unsere Möglichkeiten. Doch dann schubst uns jemand. Empört heben wir protestierend den Kopf und plötzlich sehen wir die Welt um uns herum.

Das wirkliche Gehen in der Natur ist somit eine Möglichkeit leichter und anders Zugang zu meinem Weg zu finden. 

Sprichwörter aus der ganzen Welt zeigen, wie wertvoll Gehen ist, um neue Perspektive zu gewinnen:

„Man sieht den Weg erst, wenn man ihn geht.“ – Altes polnisches Sprichwort

Afrikanische Sprichwörter

  • „Wenn du schnell gehen willst, geh allein. Wenn du weit gehen willst, geh gemeinsam.“
  • „Ein Fuß reicht nicht zum Gehen.“
  • „Es ist besser zu gehen, als über den Weg zu fluchen.“

Sprichwörter aus Asien und dem Nahen Osten

  • „Wenn du schlechte Laune hast, geh spazieren. Wenn du immer noch schlechte Laune hast, geh noch einmal spazieren.“ – Hippokrates (Griechisch)
  • „Gehe mit den Weisen und werde weise.“ – Sprüche 13:20

In den verschiedenen kulturellen und religiösen Kontexten wird dem Gehen eine besondere Bedeutung zugeschrieben. 

Das evangelische Pilgern ist ein gutes Beispiel dafür wie Menschen innere Ruhe, Abstand und Neuorientierung suchen. Pilgern ist ein Beten mit Leib und Seele, draußen in der Natur. Evangelisch Pilgern schließt an die ursprüngliche Bedeutung des Pilgerns an, sich mit Gott aufzumachen und auf Wanderschaft in die Fremde zu begeben. Viele  Menschen gehen dabei neu dem Sinn in ihrem Leben nach und fragen nach dem, was ihr Leben gründen kann. 

Ebenso findet sich das Gehen im Islam beispielsweise im Tawaf während der Hajj. Hierbei umschreiten Menschen die Kaaba in Mekka sieben mal. Es gilt als fundamentale Pflicht der islamischen Pilgerfahrt. Die Neuausrichtung steht im Zentrum und das dichte, gemeinsame Gehen im riesigen Menschenstrom symbolisiert Gleichheit aller Menschen vor Gott und die spirituelle Einheit. Alles Weltliche soll hinter sich gelassen werden (Statussymbole, Reichtümer, soziale Unterschiede) und die Ihram-Kleidung an (zwei einfache weiße Tücher) angezogen werden. 

Auch im Buddhismus gibt es das Umrunden eines Heiligen Ortes als ein Ausrichten auf das Heilige, man nimmt es in seine Mitte.

Warum funktioniert das Gehen kulturübergreifend?

In der Anthropologie geht man davon aus: Der Rhythmus der Bewegung lässt das Gehirn in einen Zustand verfallen, der Blockaden lösen kann. Das körperliche Hinter-sich-lassen übersetzt sich in ein inneres Loslassen von Schwere.

Für manchen ist das tatsächlich Gehen zu Beginn ungewöhnlich. Wer es ausprobiert, ist meist schnell überzeugt von der vielschichtigen Bewegung, die dadurch entstehen kann. 

Die Neurowissenschaft zeigt, dass im Gehen neue Gedankenverbindungen entstehen. 

Was genau passiert beim Gehen, in der Bewegung?

Es besteht demnach eine enge Beziehung zwischen körperlicher Bewegung und Gedankenfluss, Kreativität, Stimmung und Wohlbefinden. Gehen aktiviert neue Prozesse und fördert Problemlösefähigkeiten. 

Variationen im Schritttempo, etwa Verlangsamung der Schritte, Stehenbleiben mit direkter Blickkontaktaufnahme oder Beschleunigung der Schritte setzen wichtige Impulse.

Wie eine Person sich bewegt (schnell, schwerfällig, immer einen Schritt voraus oder etwas hinterher) gibt einen Hinweis auf innere Haltungen, Überzeugungen und gelebte Strategien. Das zu reflektieren ist meist sehr offenbarend und kann uns aufzeigen, was wir in Alltagssituationen ändern können.

Coachings an frischer Luft und im Freien können bei jedem Wetter stattfinden, wenn es draußen heiß oder kalt ist, wenn Widrigkeiten wie Wind und Regen auftreten oder steile Wegstrecken und matschiger Untergrund zu bewältigen sind. So ist es im Leben ja auch immer wieder. 

Auf Spaziergängen lassen sich mit einfachen Mitteln Teams, Arbeitsbeziehungen und Systeme mit Material, das man in der Natur findet, darstellen und Strukturaufstellungen machen. Das setzt Impulse und stößt Reflexion an.

Hier nur einige Ansätze von Coaching in Bewegung. 

Unser Angebot:

Buche doch einfach eine oder mehrere Bewegungs-Coaching Sessions mit uns. Dabei gibt es verschiedene Varianten:

  • Eine Einheit um den See. 
  • Eine längere Wanderung von 3-6 Stunden
  • Eine 3-5- stündige Ausfahrt mit dem Rennrad.  

Melde dich und wir besprechen miteinander was für dich passend ist.

1 Foto: Wikipedia (2026): Teresa von Ávila, online unter: https://de.wikipedia.org/wiki/Teresa_von_%C3%81vila#/media/Datei:Peter_Paul_Rubens_138.jpg (Zugriff: 19.05.2026). 
2 Nikolic, S.V. (2024): The Sacred Circle: The Ritual of Circumambulation Across Cultures. Verfügbar unter: https://stevanvnikolic.com/blog-post5 (Zugriff am: 19.05.2026).
3 Teilweise Coaching Schritt für Schritt, Von Dr. Stephan Rietmann, erschienen im Coaching-Magazin in der Ausgabe 4 | 2020.