von Jürgen Homberger

Systemisches Coaching geht davon aus, dass jeder Mensch in einer Vielfalt von Systemen beheimatet ist, die alle miteinander verknüpft sind, in denen alles zusammenhängt und auf irgendeine Weise sinnvoll ist. Eine wichtige Grundlage im Systemischen Coaching ist die sogenannte Hypothesenbildung.

Nach der ursprünglichen griechischen Bedeutung steht Hypothese für „das, was darunter ist“, oder besser, der Plan, auf dem eine theoretische Konstruktion gründet. Nach dem Oxford Dictionary ist Hypothese definiert als „Annahme, die als Grundlage für Überlegungen getroffen wird, ohne Berücksichtigung ihrer Richtigkeit; als Ausgangspunkt für eine Untersuchung“. Im Sprachgebrauch der experimentellen Wissenschaft ist eine Hypothese eine nicht bewiesene, vorläufig akzeptierte Annahme, die als Grundlage für weitere Untersuchungen dient, welche zu ihrer Bestätigung oder Verwerfung führen. (M.S.Palazzoli,L.Boscolo, G.Cecchin, G.Prata in „ Familiendynamik 2/1981)

Was hier ganz allgemein über Hypothese gesagt wird, trifft auch auf die Hypothesenbildung im Systemischen Coaching zu. Der Coach bildet eine Hypothese, die noch nicht bewiesen ist, die er zunächst einmal annimmt ohne sicher zu sein, ob seine Hypothese richtig oder falsch ist. Die Hypothese ist somit zunächst ein professionalisiertes Vorurteil des Coachs. Wenn er Hypothesen bildet, setzt er die eigenen kognitiven Fähigkeiten gezielt ein, um Erklärungen zu finden. Ob die gefundenen Erklärungen zutreffend sind oder nicht, überprüft der Coach anhand systemischer Fragestellungen. Ob eine Hypothese zutrifft entdecken Coach und Coachee dann gemeinsam, wenn zu der gebildeten Hypothese des Coachs die innere Übereinstimmung durch die Äußerungen, Erfahrungen, Bestätigungen des Coachee hinzukommen.